Karl Aichinger (1951-2014)

Karl Aichinger; Foto: Antonia Kienberger

Karl Aichinger, Universalkünstler mit fester Erdung in seiner Oberpfälzer Heimat ist tot. Er verstarb am 13. Dezember 2014.

Karl Aichinger, Bildhauer, Maler, Musiker, Formgestalter mit besonderer Liebe zum (Schach)Spiel bereicherte die ostbayerische Kunst- und Kulturwelt wie kaum ein Anderer.

Als Mensch hinterlässt Karl Aichinger wunderbare Erinnerungen, als Künstler ein großartiges Werk von bleibendem Wert.

Mut zur Echtheit

Karl Aichingers gesamtes künstlerisches Schaffen entstand aus der grundlegenden Überzeugung heraus, dass es möglich ist, einen unverstellten, nicht vorgefertigten Ausdruck hervorzubringen und dass dieser Ausdruck etwas Göttliches in sich haben kann. Mit diesem romantischen Ansatz steht Karl Aichinger quer zu Kunstkonzepten der Moderne. Begreift man Kunst jedoch mit Leonardo da Vinci als Sache des Geistes, als Möglichkeit, sich Unbekanntes zu erschließen, führt an der Denkfigur, die Karl Aichinger in seinen Werk zum Ausdruck bringt, kein Weg vorbei.

Etwas Besseres dagegen stellen

Karl Aichingers große Stärke lag in seiner Fähigkeit, sich Erwartungshaltungen und vorschnellem Urteilen zu entziehen. Er versenkte, vertiefte sich in ein Bild, Musikstück oder in einen Text. Kritik kam von Karl Aichinger immer auf einem sehr hohen Niveau und von Innen heraus. Vor allen Dingen beließ er es nicht bei der reinen Kritik, sondern stellte immer etwas Besseres dagegen.

Damit ermutigte und inspirierte Karl Aichinger nicht nur viele Menschen in seiner Umgebung, sondern machte die Suche nach einem absolut authentischem Ausdruck zur Richtschnur seines eigenen künstlerischen Schaffens.

Karl Aichinger im Atelier Weiden; Foto: Antonia Kienberger

Bilder sehen zulassen

Karl Aichinges farbsymphonische Bilderwelten faszinieren durch Rhythmus und Kraft. Sie sind intensiv, man muss sie aushalten können und sie fordern vor allem eins: Zeit. Zeit, sie zu betrachten. Dann werden sie lebendig und setzen ihre feingliedrige Rhythmik frei – nicht nur für den Augenblick, sondern in immer wieder neuen Nuancen mit zeitloser Gültigkeit.

Karl Aichingers Kunst steht im engen Dialog mit den Hauptwerken der europäischen Musikkultur und thematisiert immer wieder die grundlegenden ethischen Fragen der menschlichen Existenz. Viele seiner Werke wurden für öffentliche und private Sammlungen angekauft.

Zu den herausragenden Arbeiten Karl Aichingers gehört das Werk „Fugenschach“, eine Neuinterpretation des Schachspiels in seiner figürlichen und symbolischen Darstellung. Gerne hätte er es noch als Großskulptur im Öffentlichen Raum verwirklicht gesehen.

Eigen und frei

Karl Aichinger, geboren am 25. April 1951 in Floß in der Oberpfalz, studierte Mineralogie und absolvierte eine Ausbildung zum Steinmetz. In den 1970ern machte er sich in der freien Theaterszene in München einen Namen. Seit 1979 lebte und arbeitete er als freier Künstler in München, Regensburg und Weiden. Karl Aichiger verstarb am 13. Dezember 2014 friedlich, umgeben von Familie und engen Freunden, in Regensburg.

Fotos: Antonia Kienberger

Lebensweg

Karl Aichinger, Foto: Antonia KienbergerKarl Aichinger, Februar 2011 im Atelier (Foto: A. Kienberger)

Karl Aichinger wurde am 25.4.1951 in Floss bei Weiden geboren

Besuch des Gymnasiums, Abschluss mit Abitur

Bis 1974 Studium der Mineralogie und Soziologie

1974 - Theaterarbeit am Münchner proT

Seit Ende der 70er Jahre Arbeit als freier Künstler, Wohnorte München, Regensburg und Weiden

Einzel- und Gruppen-Ausstellungen in Europa und den USA, daneben Projektarbeit in künstlerischen Teamprojekten und Einzelprojekten, darunter seit 1993 Arbeit am "Fugenschach" einer Neuinterpretation des Schachspiels in seiner figürlichen und symbolischen Darstellung in verschiedenen Materialien

Seine Arbeiten sind in vielen öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten

Karl Aichinger: "Waldtaube und Löwenzahn - Figur an der Quelle"; Foto: Wolf Erdel

Karl Aichinger: Gelber Stein (die Bezeichnung des Künstlers für diese Skulptur lautet eigentlich "Waldtaube und Löwenzahn - Figur an der Quelle")  (Foto: Wolf Erdel, 2009)

Die Skulptur entstand im Rahmen des Projektes "Grenzbegegnungen - Wege zwischen Ost und West" in der Gemeinde Eschlkam, bei dem deutsche und tschechische Künstler entlang eines Kunstwanderwegs sechs großräumige Werke schufen.

Der gelbe Stein fügt sich übermannsgroß, trotzdem aber harmonisch, in die Landschaft des Böhmerwaldes (oder Bayerischen Waldes) ein. An seinem Standort tritt er in einen spannenden Dialog mit dem Höhenrelief der Mittelgebirgslandschaft - hier vom dem Standpunkt der Karl Aichinger Skulptur aus fotografiert.

Blick vom Gelben Stein auf Eschlkam und die Höhenzüge des Bayerwaldes; Foto: Wolf Erdel

Blick vom Gelben Stein auf Eschlkam und die Höhenzüge des Bayerwaldes (Foto: Wolf Erdel)

Karl Aichinger: Kontrapunkt IV

Karl Aichingers Bilder entstehen aus dem intensiven Eintauchen in musikalische Welten.

Hören und sehen Sie in "Kontrapunkt IV" eine spannende Session zwischen Karl Aichingers Bild "Sommerliche Morgenglut" und "The Gate" von Kurt Elling.

Fugenschach

 

Anlässlich der Ausstellung der Illustrationen der "Schachnovelle" (Stefan Zweig) mit Zeichnungen von Volker Pfüller, hatten wir Gelegenheit, in der Galerie am Fischmarkt das "Fugenschach" Karl Aichingers auszustellen. Wir schrieben damals:

Karl Aichingers „Fugenschach“ mit Original Künstlerbüchern sowie Leseproben aus einem Text von Prof. Eberhard Simons zum „Fugenschach“ und aus Stefan Zweigs „Schachnovelle“ waren Ausrüstungsgegenstände unserer Expedition in das Reich des Schachspiels. Max Riedl, Freunden der Galerie bestens aus der Ausstellung mit Werken Ludwig Gebhards bekannt, bereicherte den Abend durch seine profunden Kenntnisse des Schachspiels und seiner Geschichte.

Diagramm Fugenschach. Copyright Karl Aichinger (ein Exemplar des "Fugenschaches" befindet sich im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg)

Künstler im artspace Erdel & Schaulager

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