Räume des Wissens

19. Mai 2021 — 18. August 2021
ETH Zürich

"Mit dem Wissen wächst der Zweifel." Gerade in Krisenzeiten gewinnt Goethes Ausspruch an Aktualität. Während die Sicherheit einer absoluten Gewissheit bröckelt, geraten die Ideale der Aufklärung an vermeintliche Grenzen. Dass Wissen nicht in Stein gemeisselt ist, wird schon lange diskutiert. Seit einigen Jahrzehnten ist zudem die Frage ins Zentrum gerückt, wie Wissen räumlich organisiert ist.

Die Ausstellung in der Graphischen Sammlung ETH Zürich knüpft an diese Diskussionen an. Sie lädt zu einer Auseinandersetzung mit den räumlichen Strukturen des Wissens ein und zeigt, wie unterschiedlich Gegenwartskünstlerinnen und -künstler – darunter Fiona Tan, Candida Höfer oder Luc Tuymans – damit umgehen.

Erik Desmazières / 2021, ProLitteris, ZürichErik Desmazières / 2021, ProLitteris, Zürich

In der Ausstellung "Räume des Wissens" präsentiert die Graphische Sammlung ETH Zürich verschiedene künstlerische Zugänge zu Wissenskonzepten und ihren Ordnungssystemen. Verhältnisse zwischen physischen und virtuellen Sammlungsräumen werden ebenso ausgelotet wie die Beziehungen zwischen analogen und digitalen Schriftträgern.

Wo wird Wissen hervorgebracht, strukturiert, aufbewahrt und vermittelt? Wie kommen Ordnungsstrukturen in Architektur und Raumausstattung zum Ausdruck? Und umgekehrt: Wie stark definieren architektonische Gegebenheiten wiederum das Wissen, das eine Gesellschaft von sich und der Welt zu besitzen glaubt? Fragen nach der Rolle von Wissensräumen sind seit Ende der 1980er Jahre zunehmend in den Fokus theoretischer Diskurse gerückt. Sie haben unser Bewusstsein dafür geschärft, dass die Auswahl, Organisation und Präsentation von Inhalten stets einen Einfluss auf deren Deutung haben. Auch in der Kunst werden Wissensorte und darin versteckte Machtstrukturen sichtbar gemacht, Enzyklopädien, Archive oder Hochschulen in den Blick genommen und auf ihre Rolle in der Entstehung von Wissenssystemen befragt.

So setzt sich etwa die Künstlerin Fiona Tan (geboren 1966) in ihrem Werk "Shadow Archive" (2019) mit Paul Otlets "Mundaneum" auseinander. Mit dem um 1900 entwickelten Projekt wurde kein geringeres Ziel verfolgt, als das gesamte Weltwissen an einem Ort zu speichern und jedem verfügbar zu machen. In Tans Bildern verwandelt sich das utopische Vorhaben, auch als "Papier-Google" bekannt geworden, in eine dystopische Szenerie.

Der Künstler Luc Tuymans (geboren 1958) wirft in seiner Arbeit "The Temple" (1996) ebenfalls Fragen nach der Inszenierung und Zugänglichkeit von Wissensbeständen auf. Dafür beschäftigt er sich mit dem grössten genealogischen Archiv der Welt, das Milliarden von Daten umfasst. Aufgebaut und betrieben von der Mormonischen Kirche, liegt es tief im Inneren eines Granitbergs. In seinen Darstellungen gewährt uns Tuymans seltene Einblicke in diese Räumlichkeiten. Er setzt allerdings auf Verschleierungs- und Verfremdungstaktiken, die beinahe zur Auslöschung jeglicher Bildinformation führen.

Verstrickungen zwischen einem Geist, der von Neugierde und Wissensdurst angetrieben ist, und im Verborgenen wirkenden Allmachtsphantasien liegen der Erzählung "Die Bibliothek von Babel" von Jorge Luis Borges zugrunde. Die als unendlich beschriebene, fiktive Bibliothek erfährt in Érik Desmazières (geboren 1948) Radierungen eine schaurig-schöne visuelle Umsetzung.

Als roter Faden der Ausstellung scheint die Vorstellung von einer "Enzyklopädierbarkeit" des Wissens auf, die sich – und dies zeigen die Kunstwerke – jedoch als Trugschluss erweisen muss. Der Wunsch nach einem Wissen, das stabil ist, alles umfasst und das systematisch und möglichst einheitlich dargestellt werden kann, ist unerfüllbar. Ein universeller Überblick ist ebenso illusorisch wie die Vorstellung, dass sich die Komplexität der Welt bändigen und beherrschbar machen ließe. Es bleiben stets Bereiche des Ungewissen. Die Ausstellung möchte sich auch diesen Bereichen annähern – wissend, dass unser Erkenntnishorizont begrenzt ist und es Dinge gibt, die sich in ihrer Gesamtheit niemals ergreifen lassen.

ETH Zürich
Hönggerberg
CH - 8093 Zürich

Kunst und Natur

Kunsthaus Bregenz: Lois Weinberger
1. Mai 2021 — 4. Juli 2021

Lois Weinberger (1947‒2020) hat mit seinen Landschaftsarbeiten die Debatte zu Kunst und Natur bis heute maßgeblich mitbestimmt. Er gilt als einer der wichtigsten Künstler der Gegenwart. Bis zuletzt arbeitete er an einem poetisch-politischen Netzwerk. Als künstlerischer Feldarbeiter hatte er stets die Randzonen der Stadt- und Naturräume sowie deren Um- und Aufwertung im Sinn, für die er eine eigene Vegetationsästhetik entwickelte.

1971 veröffentlichte ein großer Schweizer Pharmakonzern die Bildermappe Unkrautgemeinschaften Europas mit Texten in sieben Sprachen. Die Mappe enthält Fotografien von Pflanzen mit ihren lateinischen Namen. Die Bezeichnungen dienen der botanischen Identifizierung, tatsächlich aber der Bekämpfung dieser Gewächse, für die der Konzern die im Anhang vorgestellten chemischen Tilgungsmittel herstellt. Lois Weinberger stellte die Mappe als Readymade aus. Die Fotos ähneln Stillleben in der Tradition des Aquarells Das große Rasenstück (1503) von Albrecht Dürer. Angesichts des Rufs nach einer "ecological art" und der Erwartungen an die Pharmaindustrie ist Weinbergers Beitrag hochaktuell.

Die Bildermappe von Lois Weinberger, eine KUB Neuerwerbung, wird als Ergänzung zur Hauptausstellung "House of Meme" von Pamela Rosenkranz im Untergeschoss des Kunsthaus Bregenz präsentiert. Neben weiteren Exponaten wird die Skulptur Invasion (2013) gezeigt, eine lebensgroße Figur aus Aluminiumguss, auf deren Körper Baumpilze wachsen.

Vor dem Kunsthaus Bregenz werden hunderte mit Erde gefüllte Kübel zu einem Geviert angeordnet. Diese Arbeit wurde in den letzten Jahrzehnten an verschiedenen Orten angelegt, u. a. 2017 in Metz für das Centre Pompidou. Flugsamen befruchten die Erde und erzeugen durch zufälliges Wachstum eine Pflanzeninsel auf dem Karl-Tizian-Platz.

Weitere Infos: https://www.kunsthaus-bregenz.at

Fotofestival Nürnberg 2021 - facing reality

1. Mai bis 27. Juni 2021

Fotofestival Nürnberg 2021Fotografie, die sich mit aktuellen, gesellschaftlich relevanten Themen und Strömungen befasst. Arbeiten von Mitgliedern der fotoszene nuernberg e.V. treffen auf fotografische Positionen überregional und international geladener Gäste.

Das Kunsthaus ist als Hauptausstellungsort offizieller Partner des Festivals, aber auch mit dem Künstlerhaus und dem Filmhaus beteiligt. Mit der Ausstellung "Barbara Probst. Streets, Fashion, Nudes, Still Lifes (bis 6. Juni 2021) zeigt die Kunsthalle Nürnberg aktuelle Fotografie im Festivalzeitraum. Ein konzentriertes Rahmenprogramm mit Vorträgen, Filmen und Diskussionen wird dem Publikum zusätzliche Möglichkeiten bieten, sich mit der Fotografie auseinander zu setzen.

Bis zur Öffnung der Ausstellungshäuser wird das Festival online zu erreichen sein, wie bei der Eröffnung am 30. April im Livestream des kino3 im Filmhaus und an allen Außenspielorten

 

Renate Christin "La vie en bleu"

Im Mai 2021 zeigen wir neun Arbeiten im Format 40 x 40 cm der Künstlerin Renate Christin im Schaulager. Wechselnd im Schaufenster und auch online in unserem Kunstshop.

Wir haben unser Auswahl den Titel "La vie en bleu" gegeben.

Renate Christin: Abstrakte Komposition IVRenate Christin: Abstrakte Komposition IV
Acryl auf Leinwand, 40 x 40 cm, 2015
320 Euro

Ostdeutsche Identität(en)

Neue Zugänge zur Erinnerung an die DDR

9. April 2021, 19 Uhr mit Olivia Wenzel und Steffen Mau

Anmeldeschluss: 9. April 2021 / 12:00 Uhr

Labore des ZusammenlebensDie Dramatikerin und Musikerin Olivia Wenzel und der Soziologe Steffen Mau im Gespräch über individuelle und kollektive Erfahrungshorizonte. Es soll der Versuch unternommen werden, die DDR entlang innerdeutscher Entwicklungs- und Konfliktlinien von heute aus neu zu erinnern und neue Erzählformen des zeitgeschichtlichen Erinnerns in künstlerischen und wissenschaftlichen Medien nachzudenken.

In der zweiten Ausgabe der Labore des Zusammenlebens begegnen sich die Schriftstellerin Olivia Wenzel und der Makrosoziologe Steffen Mau. Trotz ihrer biographischen Verschiedenheiten und unterschiedlichen Zugangsformen sind sich ihre Werke, der Roman „1000 Serpentinen Angst“ (Olivia Wenzel) und die Studie „Lütten Klein. Leben in der ostdeutschen Transformationsgesellschaft“ (Steffen Mau), in ihrem Erinnern an die DDR der 1980er Jahre unerwartet nah. Beide unternehmen in ihren Büchern den Versuch, die DDR aus heutiger Sicht zu erinnern und kreieren neue Formen literarischer und wissenschaftlicher Annäherungen.

Anmeldung: Labore des Zusammenlebens - Eine Veranstaltungsreihe der Kulturstiftung des Bundes

Medienkünstler und -künstlerinnen in aller Welt unter Druck

Ars Electronica fordert und forciert mehr Unterstützung für Künstler*innen

Am 15. März 2021 endet die Einreichungsfrist zum Prix Ars Electronica 2021. Vor 34 Jahren in Linz initiiert, gilt er der weltweiten Medienkunstszene als traditionsreichster und wichtigster Wettbewerb überhaupt, dank seiner Reichweite fungiert er als ein Trendbarometer. „Der Trend, den wir diesmal feststellen, ist besorgniserregend“, zieht Gerfried Stocker eine erste Zwischenbilanz 2021.

Foto: Gerfried Stocker 2020, Fotocredits: vog.photo

„Ein stark sichtbarer Rückgang der Einreichungen und viele persönliche E-Mails zeigen, dass Künstler*innen überall in der Welt massiv unter Druck sind und einfach nicht die Möglichkeit haben, ihre Projekte umzusetzen oder fertigzustellen.“ Über Monate geschlossene Museen, verschobene Ausstellungen, abgesagte Festivals, unter- oder abgebrochene Residencies sowie unzureichende oder überhaupt fehlende Hilfeleistungen seitens der Politik ziehen immer weitere Kreise. „Dramatisch ist dies nicht nur für die Künstler*innen selbst, dramatisch ist das für uns alle“, sagt Gerfried Stocker. „Es droht ein dauerhaftes Wegbrechen der kritischen Reflexion unserer gesellschaftlichen Entwicklung.“

Politik als auch Kunst- und Kultureinrichtungen müssen mehr tun

Gefordert sind jetzt Politik und Kunst- und Kultureinrichtungen gleichermaßen - erstere muss sehr viel mehr für die Kunst tun, zweitere muss sich wesentlich mehr Innovation verordnen. „Als international führende Plattform für Medienkunst muss hier klarerweise auch Ars Electronica einen Beitrag leisten", so Gerfried Stocker. Während der vergangenen Monate wurden deshalb zahlreiche neue virtuelle und hybride Formate entwickelt, erprobt und evaluiert.

Das Linzer Festival wurde 2020 zum hybriden Event an 120 Locations in aller Welt und verschaffte hunderten Künstler*innen Aufträge und die Möglichkeit ihre Projekte zu zeigen, mit „Ars Electronica Home Delivery“ wurde ein virtuelles und interaktives Format initiiert, das es vor allem auch hiesigen Künstler*innen möglich macht, ganzjährig im Gespräch mit der Öffentlichkeit zu bleiben.

Wichtig wie nie sind zudem Wettbewerbe, die einerseits Preisgelder versprechen und andererseits Zugang zu den so raren Bühnen eröffnen. „Wir haben uns kurzfristig dazu entschlossen, den Prix Ars Electronica 2021 noch höher zu dotieren und zusätzlich zu den 10.000 Euro, die an die Gewinner*innen der Goldenen Nicas gehen, auch für die insgesamt sechs ‚Awards of Distinction‘ je 3000 Euro auszubezahlen.“

Dazu kommen noch zwei neue Wettbewerbe, die ebenfalls Preisgelder versprechen. „Erstmals haben wir heuer den mit 5.000 Euro dotierten ‚Isao Tomita Special Prize‘ ausgeschrieben und gemeinsam mit dem Österreichischen Außenministerium den mit 10.000 Euro dotierten ‚Award for Digital Humanity‘ initiiert.“ Klappt es mit dem Hauptgewinn nicht, wahren die Teilnehmer*innen die Chance, ihr Projekt beim diesjährigen – wieder hybriden – Ars Electronica Festival im September präsentieren zu können. „Wir werden alles daran setzen, möglichst viele Künstler*innen mit der Präsentation ihrer Arbeiten zu beauftragen,“ kündigt Gerfried Stocker an.

Labore des Zusammenlebens

Veranstaltungsreihe mit digitalen Gesprächen und künstlerischen Projekten

Banner  Labore des Zusammenlebens

Unter Labor verstehen wir eine Haltung zur Wirklichkeit. Sie speist sich aus der Erfahrung, wie schnell sich scheinbar gesicherte Annahmen überholen können. Die neue Veranstaltungsreihe lädt Künstlerinnen und Theoretiker, Wissenschaftlerinnen und Akteure der kulturell-institutionellen Praxis ein, Szenarien unseres zukünftigen Zusammenlebens zur gemeinsamen Testung vorzuschlagen. Die Form der einzelnen Labore folgt dem, was Erkenntnisgewinn verspricht.

Das mag eine moderierte Kontroverse um schmerzliche Zerwürfnisse in der kulturellen Praxis sein; ein anderes Mal ein schneller partnerschaftlicher Austausch zu Überlegungen im Entstehen, für die in der öffentlichen Debatte weitere Mitdenkende gewonnen werden sollen. Das Herzstück bilden künstlerische Projekte, die Künstlerinnen und Künstler im Dialog mit der Kulturstiftung des Bundes als Reallabore entwickeln. Hierbei entstehen Arbeiten für den digitalen Raum, die sich Zeit für intensive Recherchen nehmen und Experimente in Form und Ausdrucksweise darstellen.

Den Auftakt unserer neuen Veranstaltungsreihe "Labore des Zusammenlebens" bildet am 28. Januar 2021 ein digitales Gespräch zwischen dem Historiker und Literaturwissenschaftler Michael Rothberg und der Autorin und Publizistin Carolin Emcke zu den gegenwärtigen Herausforderungen von Erinnerungskultur.

Galeriegeschichten: Gedanken zur bildenden Kunst

Der Corona Lockdown gibt uns auch in der Galerie artspace Erdel und im zugehörigen Schaulager Zeit und Ort zum Planen und zum Zurückschauen. Aus der wunderschönen Arbeit, die wir in den letzten 20 Jahren hier miterleben durften, haben wir begonnen, Fundstücke aus unserem Archiv zu präsentieren, die bisher teilweise noch nicht zugänglich waren. Mit Gesprächen zur Malerei machen wir hier den Anfang: "Galeriegeschichten - Gedanken zur Bildenden Kunst": Erwin Eisch (2013) und Heiner Riepl (2011):

Heiner Riepl in seinem Atelier im Gespräch mit Antonia Kienberger und Wolf Erdel am 20. September 2011

Erwin Eisch in Atelier und Studio / Museum  im Gespräch mit Antonia Kienberger (2013)

Neu im Shop: Heiner Riepl

"Heiner Riepls Arbeiten sind juwelhafte Kostbarkeiten, die in ihrer dynamischen Bildgestaltung, Farbigkeit und Vielfalt prächtig anzuschauen sind. Riepl drückt die Idee der Schönheit in seiner Formensprache aus. Heiner Riepls künstlerische Ausdrucksweise ist die Abstraktion in Farbe, Farbflächen, Farbkontrasten und Übermalungen." (Dr. Wilfried Hartleb)

Komposition V / 2019
Öl und Tusche auf Leinwand,60 x 50 cm, 2019, 2000 €

Mehr Informationen: https://erdel-shop.de/riepl-komposition-v-2019-detail

Öffnungszeiten

Donnerstag und Freitag: 11- 17 Uhr 
Samstag: 11-15 Uhr und nach Vereinbarung

Kontakt: 0941 - 70 21 94 und
Mobil 0170 - 31 80 748

Mail: wolf@erdel.de

Skype: wolf.erdel

Besuchen Sie auch unseren Kunst-Shop www.erdel-shop.de

Käufe und Lieferungen kontaktfrei möglich.

Click & Collect über unseren online-shop. Abholort: Schaulager, Am Schallern 4 nach Terminabsprache.

 

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