Volker Pfüller: Kleiner Mann, was nun?

Figurine zu "Kleiner Mann, was nun" (Hans Fallada) für das Theater Neustrelitz 2008, Mischtechnik, 29,5 cm x 21 cm

Der Roman war 1932 ein Welterfolg, weil die Geschichte des Angestellten Johannes Pinneberg und seiner Frau Lämmchen sensibel die Ängste und Hoffnungen der Menschen nachzeichnete. Fallada schildert die Not und die Schmerzen des Individuums aus der Innenperspektive der Betroffenen und lässt sich auf das Fragile, Ungesagte in seinen Figuren ein. Das Hoffnungspotential ist beängstigend groß angesichts der bitteren Enttäuschungen und Abstürzen ins Leere.

Das Schicksal des Johannes Pinneberg wird in poetischen Bildern erzählt. Fallada rückt es weg ins Märchenhafte und schafft so eine Verallgemeinerung des Einzelschicksals. Fallada schildert die Bedrohung der Männerwelt; Männer, die nur durch die Geduld der Frauen gestärkt werden. Die Frauen spielen eine aktive Rolle, sie stützen die Männer und damit das System.

Das Volksmärchen vom kleinen Mann lebt auch von den skurrilen Figuren, die das Panorama mit vielen Farben ausleuchten. Fallada hat aus einem großen Fundus an Erlebtem geschöpft und starke Typen gezeichnet, die haften bleiben. Fallada bekennt sich zum wunderbaren Chaos des Lebens, das er selbst auch geführt hat. Er zwingt das Leben nicht unter eine Doktrin.

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Kunstwerk im Fokus

J.F. de Laiglesia: Kepler Zyklus - Nr.9, 2009, 24 x 29 cm, Mischtechnik auf kaschierter Schaumstoffplatte, Applikation

400 Monde lautete der Titel der Ausstellung die 2009 in der Galerie am Fischmarkt gezeigt wurde - aber nach etwa 60 Monden und dem "symbolischen Teleskop" entschied der Künstler, daß die Ausstellung vollendet sei.

Und vollendet war die Ausstellung im besten Sinn des Wortes, denn die farbenprächtigen, zum Teil irisierend schimmernden Objekte verwandelten die östliche Galeriewand in einen Himmel voller geheimnisvoller Sterne - geheimnisvoll wie jede Schönheit sein muß, damit sie nicht in Besitz genommen werden kann und als Versprechen immer Ziel bleibt - Ziel und Richtung wie die Sterne, die dem Flieger Saint-Exupery nachts auf seinen Postflügen als Orientierung dienten, obwohl oder gerade weil sie nie erreichbar waren.

Als es nach der Hängung und dem Abschalten der Galerielampen dunkel wurde in der Galerie kam die zweite Überraschung: Jetzt, im schwachen Licht, zur Stunde der Astronomen, verwandelten sich die Bilder unter unseren Augen zu plastischen Objekten, kamen kugelig-räumlich hervor und zeigten sich in ganz verändertem Aussehen. Es war Juan Fernando de Laiglesia gelungen, den Zauber der Sterne wenigstens für die kurze Zeit der Ausstellung in der Galerie bannen. (w.e.)

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