Zhao Bin ist ein chinesischer Künstler der neuen Kunstbewegung, die sich in China nach 1989 entwickelt hat. Elemente der Propagandakunst aus den Zeiten der chinesischen Kulturrevolution finden sich ebenso in seinen Bildern wie eine ironische Verarbeitung westlicher Werbesprache in der Markenwerbung - und verbinden sich zu einer verblüffenden Allianz. Seine Bilder sind dabei nicht nur ein Spiel mit der Ikonographie von Kulturrevolution und Pop-Art, sondern vielmehr eine Auseinandersetzung mit der Wirkung unserer Sehgewohnheiten - unabhängig von unserem kulturellen Hintergrund.
Zhao Bin kam 1997 nach Deutschland und studierte an der Akademie der Bildenden Künste in München bei Prof. Axel Kasseböhmer Freie Malerei. Seine Abschlussarbeit wurde 2006 wurde mit 1. Preis der Laura und Lorenz Reibling - Kunststiftung und einer Einzelausstellung prämiert. Seither arbeitet er als freier Künstler und wird von der Galerie Erdel vertreten.
Zhao Bin reagiert sensibel auf gesellschaftliche Strömungen und Stimmungen. Ganz zu Beginn seines Werkes beschäftigte er sich mit dem stereotypen Blick des Westens auf China. Mit viel Humor und in der Bildsprache der Popkultur führte uns in seinem bildnerischen Werk auf höchst freudvolle Weise unsere kulturellen Eigenheiten vor Augen und spielte mit den oft klischeehaften Vorstellungen, die wir von der chinesischen Lebenswirklichkeit haben, indem er sie überzeichnete und verfremdete. In der Folge beschäftigte er sich damit, was es für ihn als chinesischen Künstler und seine Wurzeln bedeutet, seinen Fokus fast ausschließlich auf die europäische Kunstgeschichte zu richten.
Gleichzeitig thematisierte er gegen Ender der Nullerjahre die Gamifizierung vieler Lebensbereiche, indem er Menschen als Spielfiguren mit Smiley-Kopf und einem Symbol für ihren Energiestatus durch die Kunstgeschichte und andere Lebenssituationen reisen ließ. In einem weiteren Werkzyklus „Superman“ demaskierte er die Mythen des US-amerikanischen Superhelden.
In den 2010er Jahren sorgte er mit seiner Serie "Mega-Cities" bei Museen in China und Korea für Aufsehen. Die großformatigen Arbeiten vor einer prototypischen Skyline einer asiatischen Stadt haben apokalyptische Anklänge. Menschen leben auf engstem Raum zusammen, betäuben sich mit Suchtmitteln, die Hochhäuser gleichen Schlafschachteln.
Zhao Bin entwickelte in einem nächsten Schritt 2018 sein Werk weiter und nahm die inszenierte Selbstdarstellung in Form von Selfies und Social-Media-gerechten Identitäten von jungen, reichen, schönen Menschen ins Visier. Zu dieser Zeit tauchte zum ersten Mal der Panda als Symboltier in seiner Malerei auf. In der lustvollen Inszenierung der scheinbaren Idylle dekliniert Zhao Bin die Mechanismen der medialen Selbstdarstellung in allen Formen durch und führt sie ins Extrem. In der Farbpalette und mittels spiegelglatter Oberflächen übersteigert er die Ausdrucksformen der Filter der diversen Fotoapps und verweist auf die glattpolierten Oberflächen, auf denen jegliche Spuren von Singularität unsichtbar gemacht wurden.
Das Tier mit kuscheligem Fell als alter ego, als Chiffre des unbeteiligten Beobachters ist bis heute in seiner Malerei präsent. Verändert hat sich jedoch seit 2020 das Setting: Statt der Szene-Strände des Möchte-auch-gern Jet-Sets dominieren nun private Räume ohne Intimität oder die Leere des urbanen Raums die neuen Arbeiten Zhao Bins. Verstörung - nicht durch üppigen Exzess, sondern durch die Wucht der Leere.
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2006 - heute: Vertreten von der Galerie Erdel, Regensburg
2006: Diplom an der Akademie der Bildenden Künste München; Laura und Lorenz Reibling-Preis der Stiftung Kunstakademie München
1999 - 2006: Akademie der Bildenden Künste München, Klasse: Professor Axel Kasseböhmer
1997 - 1999: Studium der Malerei an der Hunan Normal University, Changsha
1991 - 1997: freiberuflich als Innenarchitekt tätig
1989 - 1992: Studium der Innenarchitektur an der Hunan Broadcast and Television University
1969: geboren in Changsha, Provinz Hunan, China