"Unter dem Titel „NEGOTIATING HUMANITY“ widmet sich das diesjährige Festival einer Gegenwart, in der vieles von dem erschüttert wird, was wir lange als gegeben betrachtet haben, und grundlegende Koordinaten unserer Welt in Bewegung geraten und neu verhandelt werden. Nicht einzelne Krisen stehen im Zentrum, sondern die irreversible Verschiebung jener Bezugssysteme, innerhalb derer wir Politik, Technologie, Gesellschaft und Menschsein überhaupt verstehen.
Die Ergebnisse des diesjährigen Prix Ars Electronica bestärken uns in dieser Themensetzung. Abermals zeigt sich der Prix Ars Electronica als Seismograf gesellschaftlicher und kultureller Verschiebungen unserer Gegenwart und macht sichtbar, wie deutlich sich ein verändertes Verständnis künstlerischer Praxis etabliert hat: Künstlerisches Arbeiten nicht nur als Reflexion und Statement zu sehen, sondern als aktive Intervention, als Feld, in dem die gesellschaftliche Wirkmöglichkeit von Kunst zunehmend wichtiger wird als formale, ästhetische oder individuelle Positionen." (Gerfried Stocker)
Preisträger
In der Kategorie New Animation Art (1.144 Einreichungen) gewinnt Andrew Herzog (US) für Deer Hunter die Goldene Nica. Die Montage verbindet Archivmaterial, Familienvideos und generative KI zu einer filmischen Auseinandersetzung über Männlichkeit, Migration und familiäres Erbe über mehrere Generationen hinweg.
In der Kategorie Digital Humanity (754 Einreichungen), vergeben in Zusammenarbeit mit dem österreichischen Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten, setzt sich SummitShare and Shared Histories Team (SE/ZM) mit dem Projekt Open Digital Infrastructure for Shared Histories Cultural Heritage durch. Shared Histories ist eine digitale Plattform, die sambische Kulturgüter in schwedischen Sammlungen mit ihrem historischen, kulturellen und mündlich überlieferten Wissen wieder verbindet und Fragen nach Zugang, Herkunft und Autor*innenschaft neu verhandelt.

In der Kategorie Interactive Art + (1.757 Einreichungen) werden Forensic Architecture (GB) für ihr Projekt A Cartography of Genocide: Israel’s Conduct in Gaza Since October 2023 ausgezeichnet. Mittels einer interaktiven Kartierungsplattform und eines 827-seitigen Berichts macht Forensic Architecture Angriffe auf Zivilpersonen, zivile Infrastruktur und Vertreibungen im Gazastreifen seit Oktober 2023 sichtbar und untersucht Muster im militärischen Vorgehen Israels.
In der Kategorie u19–create your world (674 Einreichungen) zählen die Ideen zur Welt von Morgen – aus der Gedankenwelt von Kindern und Jugendlichen. Die Goldene Nica holt sich Jannis Berner (AT) für Reverse Rendering. Ausgehend von einem Gaussian-Splat-3D-Scan untersucht er, wie sich digitale Unschärfen und perspektivenabhängige Verzerrungen in den analogen Raum übertragen lassen und welche Parallelen dabei zur menschlichen Erinnerung entstehen.
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Bildnachweis: Open Digital Infrastructure for Shared Histories Cultural Heritage / SummitShare and Shared Histories Team (SE/ZM)
In 2021, the Women’s History Museum of Zambia (WHMZ) and the Swedish National Museums of World Culture—custodians of the Etnografiska Museet in Stockholm—launched Shared Histories, a collaborative digital interface for sharing Zambian historical collections held in Sweden. Shared Histories pursued what its team called “metadata healing”: returning context, oral memory, and the voices of original makers to objects that had spent decades in collections without them. It was a project about access, but more pointedly about who gets to author the record.